29.07.2017
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Geschichtliches und Diskurs

Zur Einstimmung auf die am 30. Mai bevorstehende Kreativ Lounge des MIZ-Babelsberg zum Thema „Transmedia Storytelling – Ein roter Faden durch alle Medien“ möchten wir hier die Diskussion schon einmal vorab aufgreifen. Wir beginnen mit der Entwicklung der Begrifflichkeit des Transmedia Storytelling (mit ihren Ursprüngen in den USA, lest hierzu gern auch noch einmal unseren Artikel von 2011) und möchten von Euch wissen: Wie seht ihr Transmedia Storytelling heute in Deutschland? Und wie in Europa?

Transmedia Storytelling ist eine Erzählform, bei der ein bestimmter Inhalt über mehrere Medien verteilt wird. Der Begriff wurde geprägt von dem US-amerikanischen Professor Dr. Henry Jenkins, der in seinem im Jahr 2006 veröffentlichten Buch „Convergence Culture“ eine erste Definition des Begriffes einführte.

Transmedia storytelling represents a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience. Ideally, each medium makes it own unique contribution to the unfolding of the story.

– Henry Jenkins

2010 nahm die Producers Guild of America den Begriff des „Transmedia Producers“ offiziell in ihren Code of Credits auf, was auch zur weltweiten Anerkennung und zum folgenden Boom dieses Erzählgenres führte. So sehr diese Entwicklungen auch vom Filmbusiness geprägt zu sein scheinen, so divers werden auch heute noch die Diskussionen darüber geführt, denn der Begriff spaltet die USA in die Lager Ost und West.

Hollywood-/Franchise-Transmedia

Das sogenannte Hollywood- oder auch Franchise-Transmedia setzt verstärkt auf die Entwicklung großer Franchises wie beispielsweise „Star Wars“ oder „Matrix“. Die Geschichte steht hierbei häufig in Form eines Filmes als Hauptmedium im Mittelpunkt, der so einfach wie möglich konsumiert werden kann. Im Umfeld des Filmes werden dann möglichst viele Anknüpfungspunkte wie Comics, Bücher, Spiele, etc. geboten, um den Inhalt des Filmes oder Teile der Geschichte weiter zu vertiefen – so wie zum Beispiel die „Animatrix“ ein anderes Licht auf die drei Filme der Matrix warf.

Ostküsten-Transmedia

Ostküsten-Transmedia stellt dem eine Geschichte gegenüber die auf verschiedene Medien zerstückelt wird, was es dem Experiencer, also dem Erlebenden, nicht immer ganz einfach macht der Geschichte zu folgen. Das Indie-Film-Projekt „Pandemic“ von Lance Weiler ist ein sehr gutes Beispiel hierfür, denn es erschloss sich den Experiencern erst vollständig durch die Einbindung und Kombination eines Kurzfilmes, einer Live-Schnitzeljagd, verschiedener Comics und einiger Twitter Feeds. Auch Theater- und Kunstproduktionen wie zum Beispiel das „Jejune Institute“ fallen, obwohl an der Westküste liegend eher in die Kategorie des Ostküsten-Transmedia. Sie zeigen aber auch sehr deutlich, dass gute Transmedia Storytelling Projekte versuchen, eine gute Durchmischung von beidem anzubieten.

In den letzten Jahren hat sich dabei auch immer mehr die deutliche Abgrenzung zu Begrifflichkeiten wie Crossmedia oder gar Multimedia abgezeichnet. Es stellt sich trotzdem die Frage ob Transmedia Storytelling nach wie vor nur ein Boom ist, ein Zug auf den gerade alle aufspringen oder ob es eine ernst zu nehmende Erzählform ist, die auch langfristig Bestand haben wird.

Und bei uns in Deutschland/Europa?

Wie empfindet ihr die Situation des Transmedia Storytellings in Deutschland? Wie in Europa? Welche Entwicklungen waren bisher entscheidend? Welche stehen noch aus? Was muss dringend als nächstes geschehen?

Über Patrick Möller

Patrick Moeller berät Unternehmen, Agenturen und Kreative bei Transmedia Storytelling Projekten, konzipiert letztere zudem auch bis hin zur Umsetzung. Er ist Gründer und Herausgeber der ARG-Reporter-News, einer Webseite, die über Alternate Reality Games und Transmedia Projekte auf der ganzen Welt berichtet. Zudem ist er Mitbegründer von Transmedia Storytelling Berlin und den imaginary friends.

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